Gesundheit im Wandel: Chancen und Schatten im Gesundheitswesen

Deutschland im Gesundheitscheck

Inmitten einer Welt, die von ständigem Wandel und neuen Herausforderungen geprägt ist, rückt die eigene Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden mehr denn je in den Vordergrund. Gerade in Deutschland, einem Land mit einer hohen Lebenserwartung und einem gut ausgebauten Gesundheitssystem, ist das Interesse an einem gesunden und erfüllten Leben groß. Doch wie steht es tatsächlich um die Gesundheit der Deutschen? Was tun sie (pro)aktiv, um gesund zu bleiben? Wie kommen sie an relevante Gesundheitsinformationen?


Im Rahmen der aktuellen Endverbraucher-Umfrage für den fünften Healthcare Report werden unterschiedliche Themen unter die Lupe genommen. Es zeichnet sich ein differenziertes Bild.  

Alarmierend: Bürger*innen fühlen sich schlechter als im Vorjahr

2023 fühlten sich die Deutschen besser. Kaum ein Jahr später kippt die Stimmung. Die aktuelle Studie des Healthcare Reports zeichnet ein besorgniserregendes Bild: Körperliches und psychisches Wohlbefinden nehmen ab. Nur noch 29% der Befragten bewerten ihren körperlichen Zustand als gut oder sehr gut, im Vergleich zu 38% im Jahr 2023. Ähnlich sieht es beim psychischen Wohlbefinden aus: Hier sank der Anteil derer, die sich gut oder sehr gut fühlen, von 40% auf 32%.

Diese Entwicklung ist besonders besorgniserregend, da sie mit einem Anstieg von Rücken-, Gelenk- und Kopfschmerzen einhergeht. Fast die Hälfte der Deutschen (49,6%) leidet unter Rückenschmerzen, 37% klagen über Gelenkbeschwerden und 36% haben häufig Kopfschmerzen. Diese Beeinträchtigungen wirken sich negativ auf die Lebensqualität vieler Menschen aus und verdeutlichen die dringende Notwendigkeit, sowohl präventive Maßnahmen als auch effektive Behandlungsansätze zu stärken.

 

 

Medikamente: Alltag im Alter

Mit dem Alter steigt der Griff zu Medikamenten. Fast 60% der 55-65-Jährigen (59%) nehmen täglich Medikamente ein. Bei jüngeren Altersgruppen liegt der Anteil deutlich niedriger. Diese Zahlen unterstreichen die wachsende Bedeutung der medikamentösen Behandlung im Laufe des Lebens.

 

Die Auswahl und Einnahme von Medikamenten erfolgt häufig auf Anraten eines Arztes. 39% der Befragten nehmen Medikamente ausschließlich auf ärztliche Empfehlung ein, während 34% die Einnahme generell vermeiden und nur im Notfall darauf zurückgreifen.

Trotz der besorgniserregenden Entwicklungen gibt es auch positive Nachrichten: Sport und ausgewogene Ernährung gewinnen an Bedeutung. 32% der Befragten treiben regelmäßig Sport, und 78% achten auf eine gesunde Ernährung.

 

Darüber hinaus steigt die Nutzung von Nahrungsergänzungsmitteln. Der Anteil der Deutschen, die regelmäßig Vitamine, Mineralstoffe oder Proteine zu sich nehmen, um ihre Gesundheit zu unterstützen, steigt im Vergleich signifikant zur vorigen Erhebung von 31,4% auf 40,6% - Platz 1 im Rahmen der Fragestellung. 

Prävention: Ein wichtiger Hebel, oft vernachlässigt

Prävention spielt eine entscheidende Rolle für ein gesundes Leben. In diesem Kontext interessierte es uns erstmals, wie die Deutschen die Bedeutung präventiver Gesundheitsvorsorge einschätzen. Ein ambivalentes Bild zeichnet sich ab. Es liegt noch viel Potenzial brach. Von den 1.000 Befragten halten 40% die präventive Gesundheitsvorsorge für wichtig und integrieren sie, wo möglich, in ihre Routine.

 

Rund ein Drittel legen weniger Gewicht auf Prävention (34%), 15 % der Befragten halten das Thema für nicht wichtig. Der Fokus liegt oft auf der Behandlung bestehender Erkrankungen statt auf der Vorbeugung. Hier ist ein Umdenken notwendig, um die Entstehung von Krankheiten zu verhindern und die Lebensqualität der Menschen zu verbessern.



Digitalisierung als Wegweiser

Die Digitalisierung hat die Art und Weise, wie Menschen Informationen suchen und Produkte kaufen, revolutioniert. In der Gesundheitsbranche zeigt sich dieser Trend besonders deutlich. Konsument*innen schätzen die Bequemlichkeit und den einfachen Zugang zu Informationen und Produkten, was die Notwendigkeit unterstreicht, digitale Plattformen weiter zu optimieren und sicherzustellen, dass die bereitgestellten Produkte und Informationen verfügbar und vertrauenswürdig sind.


Die meisten Teilnehmer*innen erhalten Informationen über Medikamente oder Gesundheitsprodukte nach wie vor von ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister (33,1%). Aber auch Suchmaschinen wie Google sind sehr beliebt, insbesondere bei jüngeren Befragten (27% der 25-34-Jährigen). 

Beim Online-Kauf von Gesundheitsprodukten bevorzugen die meisten Teilnehmer*innen Online-Apotheken (57%). Diese Präferenz spiegelt das wachsende Vertrauen in digitale Einkaufsplattformen wider und unterstreicht die wachsende Bedeutung von Zugänglichkeit und Convenience.


Telemedizin auf dem Vormarsch

Die Digitalisierung verändert auch die Art und Weise, wie wir medizinische Leistungen in Anspruch nehmen. Jüngere Menschen sind offener für Telemedizin: 38% der 25-34-Jährigen würden eine Online-Sprechstunde bei einem Arzt oder Therapeuten in Anspruch nehmen.


Die Nutzung von Online-Sprechstunden steigt insgesamt:
24,2% der Befragten haben bereits eine Online-Sprechstunde genutzt, im Vergleich zu 16% im Jahr 2022. Dies zeigt, dass das Vertrauen in digitale Lösungen im Gesundheitswesen wächst.



ePA und eRezept: Bekanntheit wächst, Bedenken bleiben

Das zeigt sich auch in einer wachsenden positiven Grundhaltung gegenüber der elektronischen Patientenakte (ePA) und der elektronischen Rezeptübermittlung (eRx). Der Anteil derer, die das Thema aktiv verfolgen und über den Start informiert sind, ist seit der Umfrage im September 2023 von 25% auf 38% gestiegen. Nur 8% haben noch nie davon gehört.


41% der Umfrage-Teilnehmer*innen sind mit dem Konzept von ePA und eRx vertraut oder voll und ganz vertraut. Rund 84% können sich vorstellen, ihre Rezepte in einer Online-Apotheke einzulösen. Als Hauptgrund für den Gang in den digitalen Handel nennen ein Drittel der Befragten die besseren Preise bzw. Rabatte. 

Aber völlig bedenkenlos sind die neuen Lösungen nicht. Ähnlich wie im Vorjahr haben die Menschen
Bedenken oder Sorgen hinsichtlich der Einführung einer elektronischen Patientenakte (ePA) und elektronischer Rezepte (eRx). Allen voran befürchten die Menschen den Missbrauch ihrer Gesundheitsdaten (54,2%). Die Umfrage bringt außerdem zutage, dass Bürger*innen eine wachsende Skepsis in die technische Umsetzung und Benutzerfreundlichkeit der digitalen Lösungen entwickeln. Der Anteil der Befragten, der hier das Häkchen setzt, wächst deutlich von 37,5%  auf 43,4%. 

Fazit: Chancen nutzen, Bedenken ernst nehmen

Die Digitalisierung bietet enorme Chancen, die Gesundheitsversorgung in Deutschland zu verbessern. Sie ermöglicht schnelleren Zugang zu Informationen, bequemere Einkaufsmöglichkeiten für Gesundheitsprodukte und neue Formen der medizinischen Versorgung.


Um diese Chancen zu nutzen,
müssen die Herausforderungen ernst genommen und die Bedenken der Bevölkerung adressiert werden. Datenschutz und Benutzerfreundlichkeit müssen bei der Entwicklung und Umsetzung digitaler Lösungen höchste Priorität haben.


Indem wir die Digitalisierung verantwortungsvoll nutzen und die Bedürfnisse der Menschen in den Mittelpunkt stellen,
können wir eine zugängliche, effiziente und patientenzentrierte Gesundheitsversorgung für alle schaffen.

 

Hier geht's zum großen Healthcare Report 2024.

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