Was ein Event! Am 11. und 12. Juni traf sich die Branche bereits zum 19. Mal zum Kongress des Bundesverbands Deutscher Versandapotheken (BVDVA) in Berlin. Zwei Tage lang standen aktuelle Marktentwicklungen, regulatorische Rahmenbedingungen und die Zukunft des Arzneimittelversandhandels im Mittelpunkt.
Für DatamedIQ ist der Kongress jedes Jahr mehr als eine Fachveranstaltung. Er bietet die ideale Gelegenheit, bestehende Partnerschaften zu pflegen, neue Kontakte zu knüpfen und sich mit den unterschiedlichsten Akteurinnen und Akteuren des Gesundheitsmarktes auszutauschen. Wir waren mit einem großen Team vor Ort und haben zahlreiche Gespräche mit Herstellern, Apotheken, Dienstleistern sowie Branchenexpertinnen geführt. Gerade dieser persönliche Austausch macht den besonderen Wert des Kongresses aus. Er eröffnet neue Blickwinkel und hilft dabei, aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen der Branche besser einzuordnen.
Zu den zentralen Themen zählten die Digitalisierung des Gesundheitswesens, das E-Rezept, Künstliche Intelligenz, die Patientenversorgung sowie die zukünftige Rolle der Apotheke im digitalen Zeitalter. Zahlreiche Vorträge und Diskussionen machten deutlich, wie dynamisch sich die Rahmenbedingungen verändern.
Ein besonderes Highlight für uns, die Paneldiskussion „Arzneimittelversandhandel in Deutschland – Lagebericht zu Markt und Zahlen“. Gemeinsam mit Michael Rühl von Insight Health und Thomas Golly von SEMPORA diskutierte DatamedIQ CEO Dr. Dominique Ziegelmayer aktuelle Marktentwicklungen, relevante Kennzahlen und die Zukunftsperspektiven des Apothekenmarktes. Die wichtigsten Erkenntnisse haben wir für Sie zusammengefasst.
Der Apothekengesamtmarkt wächst weiter, allerdings anders als zuvor
Der deutsche Apothekenmarkt bleibt auf Wachstumskurs. Mit einem Gesamtumsatz von 82,26 Milliarden Euro legte er im vergangenen Jahr um 5,27 Prozent zu. Gleichzeitig sank der Absatz um 2,95 Prozent. Das Wachstum wird somit nicht durch höhere Verkaufszahlen getragen, sondern vor allem durch steigende Preise. Diese Entwicklung verdeutlicht den strukturellen Wandel des Marktes und verändert die Wachstumsmechanismen nachhaltig.
Im OTC-Bereich setzt sich der Kanalwechsel in Richtung Onlinehandel fort. Während das Versandapothekengeschäft sowohl umsatzseitig (+3,84 Prozent) als auch absatzseitig (+2,50 Prozent) wächst, verzeichnet die stationäre Apotheke Rückgänge in beiden Bereichen. Die Rollenverteilung wird dabei immer deutlicher: Die Vor-Ort-Apotheke bleibt insbesondere bei Akutbedarf und beratungsintensiven Produkten relevant, während der Versandhandel vor allem bei planbaren und wiederkehrenden Käufen an Bedeutung gewinnt.
Deutschland bleibt Europas größter E-Pharmacy Markt
Im europäischen Vergleich nimmt Deutschland eine Sonderstellung ein. Mit einem Marktvolumen von 4,6 Milliarden Euro und einem Wachstum von rund zehn Prozent bleibt Deutschland der größte E-Pharmacy-Markt Europas. Der deutsche Gesundheitskonsumgütermarkt wird durch wenige Anbieter dominiert. In Frankreich oder Italien sind die Märkte deutlich fragmentierter. Der Versandhandel profitiert von veränderten Konsumentenbedürfnissen, einer steigenden Zahlungsbereitschaft für OTC Produkte und der zunehmenden Verlagerung hin zu digitalen Kaufprozessen.
Wie sich 16 europäische Online-Apothekenmärkte entwickeln, welche regulatorischen Unterschiede bestehen und welche Trends die Zukunft der E-Pharmacy prägen, zeigt unser neuer Report zum europäischen E-Pharmacy-Markt 2025. Laden Sie den Report jetzt kostenlos herunter und erhalten Sie wertvolle Einblicke in die Entwicklung des europäischen Marktes.
Das CHC-Versandapothekengeschäft wächst leicht gedämpft weiter
Anders als in den vergangenen Jahren wird das Wachstum jedoch nicht mehr von zweistelligen Zuwächsen geprägt, sondern von einer zunehmend moderaten Dynamik. Im MAT März 2026 erreichte der NonRx-Versandhandel ein Volumen von 3,9 Milliarden Euro und wuchs damit um 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit 368,6 Millionen Euro markierte der März zugleich den umsatzstärksten Versandhandelsmonat der vergangenen drei Jahre.
Auffällig ist dabei das veränderte Wachstumsmuster. Der durchschnittliche Artikelpreis stieg um 2,3 Prozent auf 14,56 Euro, während die Bestellfrequenz und die Anzahl der Packungen pro Bestellung leicht zurückgingen. Zuwächse werden zunehmend von einer steigenden Zahl aktiver Käuferinnen und Käufer getragen. Somit stieg die Shopperzahl um 3,1 Prozent, während das Kaufverhalten insgesamt selektiver wird. Zusätzlich stabilisieren höhere Durchschnittspreise den Umsatz, obwohl pro Bestellung weniger Produkte gekauft werden.
Verbrauchertrends und digitale Selbstversorgung
Gesundheit wird zunehmend digital organisiert. Verbraucherinnen und Verbraucher informieren sich eigenständig, vergleichen Produkte online und treffen Kaufentscheidungen immer häufiger auf Basis digitaler Informationen. Prävention und langfristige Gesundheitsvorsorge gewinnen dabei weiter an Bedeutung und sprechen verstärkt jüngere Zielgruppen an.
Besonders wachstumsstark entwickeln sich Kategorien, die auf regelmäßige Anwendung und Selbstversorgung ausgerichtet sind. Mineralstoffpräparate (+12,3 Prozent), Augenpflegeprodukte (+10,5 Prozent) und Dermatika (+9,4 Prozent) wachsen deutlich stärker als der Gesamtmarkt. Gleichzeitig gehen klassische Akutkategorien wie Covid-Tests, Hustenmittel oder Grippemittel zurück. Diese Entwicklung unterstreicht den Wandel von kurzfristiger Symptombehandlung hin zu präventiver Gesundheitsvorsorge. Trotz neuer Zielgruppen bleibt das Kernprofil der E-Pharmacy-Kundschaft stabil. Das Durchschnittsalter liegt weiterhin bei knapp 50 Jahren.
Beyond Pharmacy wird Realität
Ein zentrales Thema des Kongresses war die zunehmende Verschmelzung von Apotheke, Marktplatz, Drogerie und klassischem Einzelhandel. Die Grenzen zwischen den Vertriebskanälen verschwimmen, während neue Wettbewerber in den Gesundheitsmarkt eintreten. Parallel dazu verändert sich das Informationsverhalten der Konsument*innen. Gesundheitsfragen werden heute häufig zuerst über Suchmaschinen, soziale Medien oder KI-Anwendungen recherchiert und so verschieben sich die frühen Phasen der Customer Journey immer stärker in den digitalen Raum.
Eine aktuelle Branchenstudie bestätigt diese Entwicklung. Hersteller, Apotheken und Gesundheitskonsument*innen erwarten gleichermaßen eine wachsende Bedeutung des Versandhandels sowie neuer Direct-to-Consumer-Modelle. 60 Prozent der von SEMPORA Befragten können sich vorstellen, rezeptfreie Produkte künftig auch über Drogerien wie Rossmann und Co. zu bestellen. Das verdeutlicht, wie offen Arzneimittelshopper*innen für neue Bezugswege im Gesundheitsmarkt sind. Auch die Rolle von Amazon und anderen Marktplätzen wurde intensiv diskutiert. Entscheidend ist dabei die Einordnung, welcher Anteil tatsächlich mit dem Consumer-Healthcare-Versandhandel vergleichbar ist. Und genau hier setzt das neue DatamedIQ Amazon-Panel an. Auf Basis von First-Party-Transaktionsdaten führender Marketplace-Händler und weiterer Marktdatenquellen entstehen erstmals belastbare Einblicke in die tatsächliche Bedeutung von Amazon innerhalb des Consumer-Healthcare-Marktes.
Das übergeordnete Bild ist eindeutig: Die Grenzen zwischen Versandapotheken, Drogerien, Marktplätzen und Herstellern werden zunehmend durchlässig. Der Wunsch der Verbraucher*innen nach einfachen, nahtlosen Einkaufserlebnissen wächst und Convenience entwickelt sich zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor, der von Anbietern nicht vernachlässigt werden sollte.
Unser Fazit
Der BVDVA Kongress 2026 hat einmal mehr verdeutlicht, wie schnelllebig sich der Gesundheitsmarkt entwickelt. Digitale Vertriebskanäle gewinnen weiter an Bedeutung, neue Marktteilnehmer treten in den Wettbewerb ein und die Customer Journey wird zunehmend komplexer. Aus unserer Sicht sind fundierte Marktinformationen heute wichtiger denn je, um Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen, Veränderungen richtig zu bewerten und fundierte strategische Entscheidungen abzuleiten.
Neben den fachlichen Impulsen bot der Kongress außerdem zahlreiche Gelegenheiten für direkten Dialog und neue Perspektiven. Genau diese Begegnungen machen den besonderen Wert der Veranstaltung aus. Für uns ist es wichtig, nicht nur Daten und Fakten zu analysieren, sondern auch Stimmungen, Einschätzungen und aktuelle Herausforderungen aus erster Hand mitzunehmen. Der persönliche Austausch liefert für uns wertvolle Erkenntnisse, die keine Statistik ersetzen kann.
Auch an unserem Stand herrschte während des gesamten Kongresses reger Betrieb. Unter dem Motto „Catch the Cool Wave“ konnten sich die Kongressteilnehmerinnen und Kongressteilnehmer eine kleine Abkühlung zwischen den Vortragspausen gönnen und in entspannter Atmosphäre mit unserem Team ins Gespräch kommen. Die zahlreichen Besuche, das große Interesse an unseren Analysen und die vielfältigen Diskussionen haben gezeigt, wie wichtig der persönliche Kontakt innerhalb der Branche bleibt.
Vielen Dank an alle, die sich die Zeit für einen Besuch genommen haben. Wir nehmen viele wertvolle Eindrücke mit und freuen uns schon jetzt auf ein Wiedersehen beim BVDVA Kongress im kommenden Jahr.
Erleben Sie die Highlights des BVDVA Kongresses 2026 in unserem YouTube-Rückblick.
Sie konnten nicht dabei sein? Die wichtigsten Eindrücke und Highlights vom BVDVA Kongress 2026 haben wir für Sie im Video zusammengefasst. Hier entlang!